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Eine neue Forschungsaufgabe:

Das zurückgekehrte Zeichnungsalbum bereichert unser Wissen um Zusammenhänge und Abhängigkeiten im Bannkreis der Würzburger Tiepolo-Werkstatt.

Dr. Wolfgang Kümper und Prof. Damian Dombrowski vor dem restituierten Buch und verwandten Blättern aus der Graphischen Sammlung.

14. Februar 2024

Zeichnungsalbum WS 133

Das Würzburger Universitätsmuseum ist forschungsstark – aus eigenem Antrieb, aber auch, weil es immer wieder mit unverhofften Forschungsgegenständen konfrontiert ist. Im Dezember 2023 erhielt das Museum ein Zeichnungsalbum zurück, das seit 1945 in unseren Beständen fehlte – der Nachlass Martin von Wagners war vor der Bombardierung Würzburgs evakuiert worden, wurde aber so unsachgemäß gelagert, dass ein großer Teil Plünderungen zum Opfer fiel.

 

Unter anderem kamen damals 35 Skizzenbücher und Zeichnungsalben abhanden. Wagner selbst hatte sie 1809 beschriftet, nachdem sie nach dem Tod seines Vaters in seinen Besitz übergangen waren. Fünf Bände wurden 1971 von einem Privatmann aus Texas ans Museum zurückgegeben, der Rest blieb verschollen. Seit kurzem freuen wir uns über einen weiteren Heimkehrer.

Der Band mit der Aufschrift „WS 133“ enthält Rötelzeichnungen, hauptsächlich Kopfstudien, die Wagners Beschriftung zufolge „von Jüngern Urlaub“ stammen. Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich um Johannes Andreas Urlaub; diese glaubhafte Zuschreibung vertritt Dr. Wolfgang Kümper, der seit langem zur Malerdynastie Urlaub forscht und das Zeichnungsalbum im Markgrafenmuseum Ansbach als erster identifiziert hat.

 

Johannes Andreas war Lehrjunge bei Franz Ignaz Roth, der zwischen 1751 und 1753 eng mit Giambattista Tiepolo zusammengearbeitete – genauso wie sein Onkel, der bekanntere Georg Anton Urlaub. So konnte der angehende Künstler sich an verschiedenen Zeichnungsgattungen und Rezeptionsstufen weiterbilden: Entwürfen von Tiepolo selbst, Merkskizzen von Giandomenico nach Zeichnungen seines Vaters und solchen Blättern, die der ältere Urlaub nach diesen ‚ricordi‘ angefertigt hatte.

Das neue Zeichnungsalbum WS 133 sorgt jetzt für Diskussionen. Hier beteiligt: Dr. Ulrike Weikart, promoviert über die ‚Tiepolo-Skizzenbücher‘ WS 134, 135 und 136, Dr. Wolfgang Kümper, Verfasser mehrerer Schriften zur Malerfamilie Urlaub, und Dr. Markus Maier, Kurator des Martin von Wagner Museums.

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Die Kopienkette lässt sich sogar noch weiterverfolgen, denn auch der blutjunge Martin von Wagner zeichnete nach den Rötelskizzen des älteren Urlaub und sogar der beiden Tiepolo. Auf jeden Fall wird das Zeichnungsalbum seinen Beitrag zur Erforschung der Malerei in Franken zwischen Barock und Klassizismus leisten. Seine Restitution hat dafür die entscheidende Voraussetzung geschaffen.

 

Am Sonntag, 3. März um 11 Uhr werden Dr. Kümper und Prof. Damian Dombrowski, Direktor der Neueren Abteilung des Martin von Wagner Museums, den Band in einer Art Werkstattgespräch der Öffentlichkeit zugänglich machen. Die darin enthaltenen Zeichnungen werden dabei auch anderen Blättern aus der Graphischen Sammlung gegenübergestellt, um Abhängigkeiten und Vermittlungswege aufzuzeigen – lebendige Einblicke in die Werkstattpraxis des 18. Jahrhunderts sind garantiert!

 

Das Martin von Wagner Museum ist Gründungsmitglied in dem Netzwerk „I luoghi dei Tiepolo“. Ihm gehören die meisten Orte an, an denen Vater oder Sohn Tiepolo gemalt haben. Überall dort finden in den Tagen rund um den Geburtstag Giambattista Tiepolos (5. März) Veranstaltungen statt, um den berühmtesten Maler des Settecento zu ehren. An dieser Initiative – unter dem Motto „I luoghi dei Tiepolo in festa“ – beteiligt sich das Würzburger Universitätsmuseum in diesem Jahr mit der Präsentation des restituierten Buches.

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