Geschichte

Bildnis Martin von Wagners

Carl Gotthelf Küchler, 1836 

Von Anfang an war das Martin von Wagner Museum mit der archäologischen und kunsthistorischen Lehre an der Universität Würzburg auf das Engste verknüpft. Die Geburtsstunde der wissenschaftlichen Beschäftigung mit der bildenden Kunst schlug an der Alma Julia im Jahr 1790, als Bonaventura Andres für das Sommersemester 1790 eine Vorlesung über Lessings „Laokoon“ ankündigte. Seit 1815 hielt Franz Joseph Fröhlich kunsthistorische Vorlesungen, im Wintersemester 1816/17 sogar verbunden mit einer „kritischen Betrachtung vorhandener Kunstwerke“. Für das Sommersemester 1831 heißt es im Vorlesungsverzeichnis: „Aesthetik als Kunstwissenschaft. Professor Fröhlich, nach eigenen Ansichten mit kritischer Beleuchtung vorzüglicher Kunstwerke“. Demnach hat Fröhlich im Unterricht originales Anschauungsmaterial verwendet.

 

1832 erhielt die universitäre Bildersammlung, die Fröhlich nach und nach zusammentrug, den Namen „Ästhetisches Attribut“ und wurde vom Bayerischen Innenministerium vorübergehend mit einem Ankaufsetat ausgestattet; dies war der Nukleus des universitären Kunstmuseums, das sich damals im Obergeschoß der Alten Universität befand. Gustav Waagen, der Direktor der Kgl. Preußischen Gemäldegalerie in Berlin, hat dort bei einem Besuch 1843 „recht schätzbare Sachen“ bemerkt. 1862 gelangte auch Fröhlichs private Sammlung per testamentarischer Verfügung in den Besitz der Universität.

 

Wenige Jahre zuvor hatte sie eine noch größere Schenkung erhalten: 1857 stiftete ihr der deutschrömische Maler und Bildhauer Johann Martin von Wagner, ein gebürtiger Würzburger, seine antike und moderne Werke umfassende Kunstsammlung, die er sich neben seiner Tätigkeit als Kunstagent des bayerischen Königs in Rom aufgebaut hatte – zum Dank für die ständige Freistellung von seinem Dienst als Professor für Zeichenkunst, den er nie angetreten hatte. Nun gingen so bedeutende Werke wie der Kentaurenkopf vom Parthenon oder die Madonna del Bambino Vispo in die Bestände des „Ästhetischen Attributs“ ein, daneben Tausende wertvolle Handzeichnungen und Kupferstiche vor allem italienischer Meister der Renaissance und des Barocks. Damit war der Italien-Schwerpunkt der Neueren Abteilung vorgezeichnet. Der Kunstbesitz Fröhlichs, der vorwiegend holländische Meister des 17. und 18. Jahrhunderts umfaßte, rundete den Überblick über die europäische Kunstgeschichte weiter ab. Später kamen auch deutsche Renaissance und Romantik sowie die Schnitzkunst des Mittelalters als weitere Schwerpunkte hinzu.

 

Seit 1963 ist das Martin von Wagner Museum im Südflügel der Residenz untergebracht.  Die Säle der Gemäldegalerie werden in den kommenden Jahren einer durchgreifenden Modernisierung unterzogen. 

© 2015 by Barbara Knievel

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