"recht schätzbare Sachen"

Gustav Waagen, Kgl. Preußische Gemäldegalerie Berlin

Das Martin von Wagner Museum ist eines der bedeutendsten Universitätsmuseen Europas. Seine Bestände antiker und nachantiker Kunst bilden – in hoher und höchster Qualität – zusammengenommen fünf Jahrtausende Kunst- und Kulturgeschichte ab. Vergleichbar universal ausgerichtete Sammlungen sind in Deutschland und Mitteleuropa so gut wie gar nicht zu finden; man muss schon nach Großbritannien schauen, um Museen mit diesem Radius von Epochen und Regionen zu finden. Auch dort sind sie häufig, wie das Fitzwilliam Museum in Cambridge oder das Ashmolean Museum in Oxford, im Besitz von Universitäten.

Das Museum besteht aus zwei Abteilungen. Die Ältere Abteilung umfasst die Antikensammlung, die Neuere Abteilung gliedert sich in Gemäldegalerie und Graphische Sammlung. An hochrangigen Kunstwerke aus allen Epochen (Alt-Ägypten, griechische, etruskische und römische Antike, Mittelalter, Renaissance, Barock, Klassizismus, Moderne) kann die Geschichte des menschlichen Geistes von den frühen Hochkulturen bis an die Schwelle der Gegenwart in einem durchgehenden Zug abgeschritten werden.

 

Geleitet werden die Ältere und die Neuere Abteilung des Martin von Wagner Museums von zwei habilitierten Wissenschaftlern, den amtierenden Direktoren. Ihnen steht ein Beirat zur Seite, bestehend aus mehreren museumsaffinen Fachwissenschaftlern der Universität Würzburg sowie insgesamt vier externen Mitgliedern, die in der Regel Leiter größerer musealer Sammlungen sind.

DIE ANTIKENSAMMLUNG

Die Antikensammlung ist vor allem auf Keramik (1500 v. Chr. – 300 n. Chr.) ausgerichtet, den Schwerpunkt bilden griechische Vasen der Blütezeit (560–300 v. Chr.). Tonfiguren, Gläser und Steinplastik schließen sich an; zu den berühmten Stücken zählen die griechische Schauspielerscherbe und der römische Jahreszeitenaltar. 1989 gelangten 2500 Objekte aus der Privatsammlung Kiseleff in das Museum, die ägyptische Kleinkunst in reicher Auswahl beisteuern und den griechischen Bestand erweitern. Besonders beeindruckend sind die ägyptischen Mumienporträts. Eine Rarität stellen die vielen gut erhaltenen koptischen Stoffe des fünften bis achten Jahrhunderts dar.

Europa auf einem Stier reitend, Halsamphore, Anfang 5. Jh. v. Chr.
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Hans_Schäufelein,_Bildnis_Sixtus_Ölhafen.jpg

DIE GEMÄLDEGALERIE

In der Gemäldegalerie werden vor allem deutsche, niederländische und italienische Gemälde gezeigt. Klingende Namen sind Gherardo Starnina, Hans Leonhard Schäufelein, Luca Cambiaso, Bartholomäus Spranger, Pieter Claesz, Jacob Jordaens, Luca Giordano, Gaspare Vanvitelli, Alessandro Magnasco, Januarius Zick, Giovanni Antonio Pellegrini, Matthäus Günther, Francesco Guardi, Giovanni Battista Tiepolo, Friedrich Overbeck, Carl Rottmann, Johann Wilhelm Schirmer, Max Liebermann, Willy Jaeckel, Hans Purrmann und zahllose andere mehr. Unter den in die Gemäldegalerie integrierten Skulpturen ragen die spätmittelalterlichen Werke Tilman Riemenschneiders und seiner Schule hervor, aber auch Alabasterstatuen der deutschen Spätrenaissance oder expressionistische Tier- und Porträtplastik.

Hans Leonard Schäufelein,
Bildnis von Sixtus Oelhafen, 1503

DIE GRAPHISCHE SAMMLUNG

Die Graphische Sammlung besitzt trotz Kriegsverlusten ca. 16.000 Handzeichnungen und 14.000 Blatt Druckgraphik; mit dieser Größenordnung konkurriert sie mit den Kupferstichkabinetten in Stuttgart, München oder Berlin. Besonders wertvoll sind die Zeichnungen Federico Baroccis; es ist das zweitgrößte Konvolut dieses frühbarocken Malers überhaupt. Auch der römische Hochbarock ist mit großen und größten Namen vertreten.

Federico Barocci, Studie für das Portrait von Herzog Federico Bonaventura, 1602
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