ANGST! Magie, Heilung und Schutz in der Antike
Wer kennt nicht den inneren Impuls, in Situationen der Ohnmacht etwas Irrationales zu tun, das der Erfüllung der eigenen Bedürfnisse auf die Sprünge helfen soll? In solchen Momenten greifen wir gerne zu Objekten und Ritualen, von denen wir uns Glück bzw. eine günstige Fügung versprechen. Im Fußball z. B. pflegen Trainer bestimmte Marotten und Routinen, weil sie an einen Zusammenhang mit dem Ausgang der Spiele glauben. Solcher Aberglaube lässt sich leicht belächeln. Wenn wir aber ehrlich zu uns selbst sind, dann wissen wir um die Macht der eigenen Einbildungen, die uns zu derlei Verhalten anstiften.
In den Kulturen der Antike vertraute man in diesen Dingen auf das Wissen von Experten, denen Wege und Mittel bekannt waren, wie man die Welt der Götter und Dämonen, die das Schicksal der Menschen bestimmen, zu eigenen Gunsten manipulieren kann: Magier!
Diese galten ursprünglich im Alten Orient keineswegs als heimlich agierende Quacksalber und Scharlatane, sondern als reguläre Priester, die z. B. zum Schutz des Königs heilige Rituale vollführten, um Dämonen oder Feinde in Schach zu halten. Erst mit dem Aufkommen der Naturwissenschaften bei den Griechen gerieten magische Praktiken offiziell immer mehr in Verruf. Dennoch verstand man die Übergänge zwischen Magie, Medizin und Religion stets als fließend.
Für den alltäglichen Schutz vor Gefahren griff man vor allem auf Amulette als Teil des Körperschmucks zurück. Dabei wurde sehr häufig das Prinzip angewandt, Gleiches mit Gleichem zu bekämpfen. In den meisten Mittelmeerkulturen sind es Monster mit hässlichen Fratzen, deren Abbilder als effizientes Mittel gegen Bedrohungen aller Art, z. B. gegen den ‚Bösen Blick‘, angesehen wurden. In antiken Schriftquellen stoßen wir auf eine Vielzahl an Zaubersprüchen, die ebenfalls gerne mit Effekten der Imitation oder Spiegelung operierten. Der Kommunikation von gezielten Blicken und geeigneten Worten wurde demnach viel Macht zugetraut.
Nicht alle magischen Bilder, Sprüche und Handlungen dienten dem persönlichen Schutz, sondern konnten auch für moralisch fragwürdige Zwecke eingesetzt werden wie z. B. das ‚Erzwingen‘ von Liebe, Recht oder Wettkampfsiegen, meistens durch symbolisch umgesetzte Gewaltfantasien vergleichbar zur Verwendung von Voodoo-Puppen. Das mag der entscheidende Grund sein, warum Zaubermittel zunehmend ins Zwielicht gerieten und von Staatsseite mit schwersten Strafen belegt werden konnten.
Die Ausstellung beleuchtet in einzelnen Sektionen den gesamten ‚Lebenszyklus‘ magischer Anwendungsbereiche in Ägypten, Mesopotamien, Griechenland und Rom: die Sorgen um Nachkommen und eine komplikationsfreie Geburt, die alltäglichen Ängste vor unglücklichen Schicksalsschlägen und existenziellen Nachteilen, vor allem vor Krankheiten und Versehrungen, schließlich auch Vorkehrungen für ein Weiterleben nach dem Tod.
Rund 150 Exponate – darunter Amulette und Talismane, Fluch-Täfelchen und Zauberanweisungen auf Papyri sowie Nachbauten von Möbeln mit Dekorelementen magischer Wirkung u. v. m. – vermitteln dabei ein anschauliches Bild, von welchen (kulturübergreifenden) Vorstellungen diese Maßnahmen gegen ‚höhere Gewalt‘ getragen waren. Letzten Endes eröffnet die Ausstellung tiefe Einblicke in die Strukturen der menschlichen Psychologie, die sich in all den Jahrhunderten ihrem Wesen nach nie verändert hat. Nur die Hilfsmittel haben, scheinbar, gewechselt…
ANGST! Magie, Heilung und Schutz in der Antike
14. November 2026 bis 16. Mai 2027
Laufzeit: 14.11.2026–16.05.2027
Ort: Martin von Wagner Museum, Antikensammlung
Residenz, Südflügel, 3. Stock
Öffnungszeiten
dienstags bis samstags 10–13.30 Uhr
sonntags 10–13.30 Uhr im Wechsel mit der Gemäldegalerie (siehe Kalender)
Eintritt: frei
Eröffnung am Freitag, 13.11.2026
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