Factum est. Malerei zum Neuen Testament von Jaroslav Dražil

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11.3. bis 30.6.2022

Graphische Sammlung

Zurück ins echte Leben: Am 11. März feierte das Würzburger Universitätsmuseum die erste Ausstellungseröffnung mit Publikum seit über zwei Jahren. Eigens dafür ist ein ganzer Zyklus großformatiger Gemälde entstanden. Die Thematik lässt aufhorchen.

Die universitäre Kunstsammlung ist zurück im Real Life. Mit „FACTUM EST“ wurde die erste Sonderausstellung seit über zwei Jahren wieder im gewohnten Rahmen eröffnet – mit leibhaftiger Teilnahme, mit Wein, mit Musik und vor allem: mit echten Gemälden vor Augen, nicht nur digital vermittelten Bildern.

Auch in den Gemälden selbst geht es sehr konkret zu. Geschaffen hat sie der 38-jährige Jaroslav Dražil, der zu den erfolgreichsten Künstlern der Region gehört, für die Ausstellung im Martin von Wagner Museum. Die großformatigen Leinwände füllten die Wände der Kleinen Galerie weitgehend aus.

Groß sind die Formate, aber groß ist auch der Gegenstand, dem Dražil sich in diesem Zyklus gewidmet hat: das Neue Testament. Die Darstellung der Geschichte von Leben, Tod und Auferstehung Jesu Christi gehörte Jahrhunderte lang zu den höchsten Aufgaben der Bildkünste. Heute, im Zeitalter eines dramatischen und umfassenden Rückgangs des christlichen Glaubens, gilt das sicherlich nicht mehr. Umso ungewöhnlicher ist es, wenn ein jüngerer Künstler sich abseits kirchlicher Aufträge diesem Themenkreis zuwendet.

Nichts in Dražils bisheriger Bildproduktion deutete auf die Auseinandersetzung mit religiösen Sujets hin. Das bisherige Oeuvre des Malers zeigt farbenglühende Birkenwälder und Bergketten einerseits, meist attraktive junge Menschen in verrätselten Situationen andererseits. Keine Spur von etablierten Themen, reine Gegenwart am Puls der Zeit. Und jetzt das:  eine intelligente, tiefdringende, künstlerisch ambitionierte Bearbeitung des traditionsreichsten Stoffes der westlichen Bildgeschichte.

Dražils künstlerische Interpretation des Neuen Testaments bietet freilich einen sehr individuellen Zugang zu den christlichen Evangelien. In der Formensprache von „FACTUM EST“ treten seine persönlichen Ausdrucksmittel mit Anregungen aus der Pop Art und Impulsen von Zeitgenossen wie Kehinde Wiley oder Neo Rauch zusammen. Auf diese Weise kommt es zu überraschenden, eigenwilligen, jedoch nie ängstigenden Schöpfungen. Sie können einen Weg weisen, wie religiöse Motive auch für eine durch und durch säkulare Welt neu zu erschließen sind.

Reprografien: André Mischke