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Idee und Linie. Italienische Zeichnungen aus der Sammlung Martin von Wagners

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22.11.2025 bis 22.3.2026

Kleine Galerie

Nirgendwo wurde mit größerer Ausdrucksvielfalt gezeichnet, nirgendwo eindringlicher über die Zeichnung nachgedacht als im Italien von Renaissance und Barock. Zeichnen war praktische und intellektuelle Tätigkeit in einem. Der „disegno“ wurde als das primäre Mittel zur Erschließung der sinnlichen Welt geschätzt und ebnete den Weg zu idealer Schönheit.
Dass in der ‚Kleinen Galerie‘ so viele qualitativ herausragende Werke aus allen wichtigen Kunstlandschaften Italiens gezeigt werden können, ist dem Namensgeber des Museums zu verdanken. Der gebürtige Würzburger Martin von Wagner (1777–1858) verbrachte über fünfzig Jahre in Rom, wo er eine umfangreiche Kunstsammlung zusammentrug, darunter mehr als zweitausend italienische Zeichnungen. Am Ende seines Lebens schenkte er sie der Universität seiner Heimatstadt.
Wagner beschränkte sich keineswegs auf berühmte Meister, sondern erwarb auch eine große Zahl anonymer Blätter und Kopien, die er – wie seinerzeit üblich – nach     regionalen ‚Schulen‘ ordnete. Doch folgten seine Erwerbungen auch persönlichen Vorlieben. Die Vielzahl an spätbarocken Zeichnungen oder das häufige Vorkommen von Künstlern aus Bologna und Urbino dürften seinen privaten Geschmack spiegeln.
Einerseits brachte Wagner seinen Zeichnungen das zeittypische Interesse an Entwicklung und Stil entgegen. Andererseits war die Zeichnung für ihn, den Maler und Bildhauer, ein inspirierendes Ausdrucksmedium. Aus dieser doppelten Motivation heraus – wissenschaftlich und ästhetisch – entstand eine Sammlung, die von der Kreativität, Vielstimmigkeit und Dynamik italienischer Zeichenkunst aus drei Jahrhunderten zeugt.
Die Ausstellung ist nach thematischen Gesichtspunkten gegliedert. Die Kapitel heißen bespielsweise „Natur und Bewegung“, „Akt und Anatomie“ oder „Kopf und Gesicht“. Innerhalb gleichbleibender Aufgaben – etwa ein Gewand darzustellen, Architektur zu entwerfen oder einen Mythos zu illustrieren – treten die Unterschiede zwischen den Stilen und Epochen umso prägnanter hervor.
Wie der Künstlerbiograph Giorgio Vasari im 16. Jahrhundert wusste, lässt sich über die Zeichnung eine „Idee von allen Dingen“ gewinnen, „ob Mensch oder Tier, ob Pflanzen oder Bauten, ob Skulptur oder Malerei“. Dieser Universalität der künstlerischen Aufgaben möchte die hier gebotene Auswahl gerecht werden – jedoch mit einem Schwerpunkt auf der menschlichen Figur, dem zentralen Thema der italienischen Zeichenkunst.

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