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Wein & Sinnlichkeit. Der Fotograf Johann Willsberger entdeckt das griechische Symposion

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13.12.2023 bis 26.5.2024

Graphische Sammlung

Wenn wir Wein genießen, dann sind in der Regel mehr Sinne als nur unser Geschmacks- oder Geruchssinn beteiligt. Wie das Geschmackserlebnis des Weines in unterschiedliche Nuancen zerfällt, so fordert die möglichst breite Entfaltung seines Genusses die Erfüllung einer Vielzahl an komplementären Faktoren ein: Zunächst möchten unsere Augen durch eine ästhetisch veredelnde und zugleich auch transparente Verpackung des Weines in Form von Flaschen und Gläsern von der Güte des Produkts überzeugt werden. Aber gut in der Hand liegen müssen diese Augenschmeichler ebenfalls. Außerdem braucht es ein schönes Ambiente und angenehme Gesellschaft. Zur guten Stimmung gehören ferner Musik und Beleuchtung, die dem Kontext des Weinverzehrs angemessen sind. Teil dieses synästhetischen Vergnügens ist dann nicht zuletzt auch das gediegene Gespräch bzw. das Schwelgen in Erinnerungen.

In der Ausstellung wird diese multisensorische Dimension des Weines zum übergreifenden Thema: Die dionysisch geprägte Bilderwelt des Symposions wird hier mit Fotografien konfrontiert, die den Entstehungsprozess internationaler Weine besonders nahansichtig einfangen. Auf einer Ebene begegnen sich damit ferne Vergangenheit und Gegenwart, auf der anderen das Ende der Weinverkostung und die Frühstadien der Weingewinnung. Dazwischen vermitteln digital aufbereitete Aufnahmen, die die antiken Bilder in die Ästhetik von Pop Art übertragen. Antikes Kunstgewerbe wird so in die konsumorientierten Sehgewohnheiten unserer Tage übersetzt.

Beide Medien, das antike Tafelgeschirr und die modernen Fotos, bieten naturgemäß in erster Linie visuelle Reize. Aber in der Auseinandersetzung mit diesen Bildern wird sehr schnell deutlich, dass sie in der Lage waren bzw. sind, in ihren Rezipienten Gefühle und Erinnerungen zu triggern, die über die rein optische Wahrnehmung hinausreichen. Dabei geht es nicht nur um die Adressierung primärer menschlicher Bedürfnisse wie Durst oder Berührungen; nicht einmal um die Annehmlichkeiten des Rausches. Diese Bilder regen unsere Phantasie an und stellen zugleich philosophische Fragen: über unsere Ursprünge, über unser ‚wahres‘ Wesen, über Glück.

Auf diese Weise lässt sich erahnen, dass Wein schon immer die Menschen nicht nur alkoholisch, sondern auch gedanklich kreativ beflügelt hat. Bei den alten Griechen galt der Wein als größte zivilisatorische Errungenschaft der Landwirtschaft, deren Geschenk man einem eigenen Gott, Dionysos (‚der zweimal Geborene‘), zugutehielt. Und auch heute ist der Wein noch immer das A & O, um das sich in der gehobenen Gastronomie alles dreht. Dieser zeitlos hohe Stellenwert des Produktes Wein sucht nach einer anthropologischen Erklärung. Wein & Sinnlichkeit liefert Ihnen einige, hoffentlich stimulierende Einsichten dazu.

Johann Willsberger ist jedenfalls ein Meister der Stimulation! Seit vielen Jahrzehnten ist er in der Food-Branche zuhause, hat von 1976 bis 2001 die Zeitschrift „GOURMET – Das internationale Magazin für Essen und Wein“ herausgegeben und der kulinarischen Fotografie zu einer völlig neuen Ästhetik verholfen. Darüber hinaus ist er aber schon seit langem auch künstlerisch tätig, macht nicht nur Fotos, sondern formt auch Skulpturen aus Stahl, hat mit der WILLSBERGER COLLECTION eine eigene wegweisende Weinglas-Serie im diamond shape designt und eine Vielzahl von Büchern und prächtigen Bildbänden von der Objekt- bis zur Landschaftsfotografie veröffentlicht.

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