
In Stein gemeißelt – aus Pixeln zusammengesetzt:
Moderne 2D-Technik zielt auf antike 3D-Bilder
In dieser Ausstellung leisten zwei aktuell von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekte zu Skulpturen aus der griechisch-römischen Antike, die an der JMU Würzburg beheimatet sind, Aufschluss über ihre laufenden Arbeiten. Ein am Lehrstuhl für Klassische Archäologie angesiedeltes Projekt konzentriert sich auf Ostia, die Hafenstadt Roms, und untersucht die vielfältigen, aus heutiger Sicht teils überraschenden Formen des Umgangs mit antiker Plastik am Ausgang des Altertums. In Apollonia (Albanien), einem Projekt der Würzburger Antikensammlung, geht es dagegen um die langfristige Entwicklung der Steindenkmäler, deren Besonderheit aus der geographischen Lage der Stadt an einer kulturellen Schnittstelle zwischen östlicher und westlicher Hemisphäre der Mittelmeerwelt zuzuschreiben ist. Beide Projekte verbindet über die Materialgattung ihrer Gegenstände hinaus der Anspruch der Grundlagenforschung, der in der Praxis aufwendige Dokumentations-Kampagnen zur Erschließung der historischen Objekte in den einschlägigen Museen und Depots vorsieht.
Von den dabei entstandenen Fotos ist nun jeweils eine repräsentative Auswahl als Ausdrucke zu sehen, die unter anderem den hohen ästhetischen Reiz der antiken Skulpturen bezeugen. Diese dienten in den Zeiten ihrer Entstehung und originalgetreuen Verwendung allerdings nicht nur zur Ausschmückung verschiedener städtischer Räume, sondern auch in vielfältiger Weise der Kommunikation von Wertvorstellungen ihrer Auftraggeber, Produzenten und Rezipienten. So dienten die materiellen Eigenschaften und der hohe handwerkliche Aufwand der Skulpturen dem Zweck, diesem Medium auf Dauer angelegte Bedeutungen einzuschreiben, die mitunter aber doch nicht vor Veränderungen durch die Nachwelt gefeit waren.
Das primäre Anliegen der Ausstellung besteht demnach darin, ihren Besuchern und Besucherinnen aus unterschiedlichen Perspektiven Zugänge zu den einstigen Bedeutungsebenen der Skulpturen aufzuzeigen. Maßgeblich sind dabei zentrale Fragestellungen der aktuellen Forschung: Welche materiellen Qualitäten und technischen Besonderheiten äußern sich in den Skulpturen? Welche Biographien haben die Objekte durchlaufen? Inwiefern verweisen sie auf Vorbilder und Neuinterpretationen im Sinne der kulturellen Aneignung? Und in welchem Rahmen wurden sie eingesetzt, um über ihre konditionierte Wahrnehmung spezifische Wirkungen und Ausdeutungen nahezulegen?
Auf einer anderen Ebene reflektiert die Ausstellung aber auch die verschiedenen Medien moderner Reproduktion antiker Skulpturen und deren spezifischen Potenziale für die Forschung: Zeichnungen, Gipsabgüsse und 3D-Simulationen sorgen nicht nur für Abwechslung in den verschiedenen Sektionen, sondern verdeutlichen Vor- und Nachteile gegenüber der wissenschaftlichen Fotografie. Die Besonderheit des (digitalen) Fotos – das wird in dieser Zusammenschau deutlich – liegt am Ende in seiner Ökonomie als Arbeitsmittel: Bei hoher Informationsdichte und Authentizität der Wahrnehmung kann es schnell erfasst und geteilt werden und bleibt flexibel einsetzbar.
Zur Ausstellung wird ein Begleitband erscheinen, der auch über postalischen Versand beziehbar ist: 10,00 € zzgl. Porto.
21. Mai bis 31. Juli 2026
Ort: Martin von Wagner Museum | Kleine Galerie, Residenzplatz 2, Tor A, 2. Stock
Öffnungszeiten: Di-Sa 13:30 bis 17 Uhr, So 14täglich 10 bis 13:30 Uhr (siehe Kalender)
Der Eintritt ist frei.



