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Ein neuer Star unter den Alten Meistern


In der Gemäldegalerie gibt es ein neues Meisterwerk der niederländischen Malerei zu bestaunen. Der Schenkung an das Museum ging eine fast einjährige Restaurierung voraus. Sie hat sich ausgezahlt – die „Verleugnung Petri“ beherrscht den Raum und überwältigt die Besucher.


Das Gemälde an seinem neuen Standort – hier mit Kurator Dr. Markus Maier, Stifter Dr. Herbert Wellhöfer und Restauratorin Ingeborg Klinger (v. l. n. r.).


Nur wenige Maler wurden um 1650 neben Rembrandt zu den führenden Meistern Amsterdams gezählt – Jan Gerritsz van Bronchorst war einer von ihnen. In der Grachtenmetropole war er vor allem als Glasmaler erfolgreich, doch seine frühen Erfolge feierte der 1603 Geborene in seiner Heimatstadt Utrecht.


Bronchorst wird zu den Utrechter Caravaggisten gezählt, die das revolutionäre Potential des römischen Barockpioniers Caravaggio in die holländische Malerei trugen. Ein emblematisches Bild für diese italianisierende Stilrichtung hängt seit Neuestem in der Gemäldegalerie des Martin von Wagner Museums.


In großformatigen Halbfiguren hat Bronchorst die nächtliche Begebenheit dargestellt, da der Apostel Petrus den verhafteten Jesus verleugnet. Der Maler interpretierte die schon in der Bibel wegen ihrer menschlichen Abgründigkeit packende Szene als psychologisch eindringliches Kammerspiel.


Das um 1640/50 zu datierende Gemälde ist eine Stiftung von Dr. Herbert Wellhöfer, der längst zum bedeutendsten Mäzen des Martin von Wagner Museums (MvWM) geworden ist. Erst Anfang dieses Jahres wurde die mit erheblichen Mitteln versehene „Wellhöfer-Stiftung für das forschende Museum“ gegründet, deren Stiftungsvermögen kürzlich noch einmal kräftig aufgestockt wurde.


Die Schenkung des Bildes erfolgte schon im letzten Jahr, doch zunächst wanderte es ins Restaurierungatelier Pracher. Dem Gemälde war im Laufe seiner Geschichte übel mitgespielt worden: Im Ersten Weltkrieg befand sich die „Verleugnung Petri“ auf einem Landgut der Vorfahren Wellhöfers in Estland, wo es von marodierenden Soldaten mit Säbeln traktiert wurde.


Der Großvater des Stifters nahm es mit nach München, bevor es schließlich nach Würzburg wanderte. „Ich habe den Bronchorst zum ersten Mal 2016 im Wohnzimmer der Eheleute Wellhöfer gesehen“, erinnert sich Prof. Damian Dombrowski, der die Neuere Abteilung des MvWM leitet: „Die herausragende Qualität besonders im Figurenarrangement stach sofort hervor, aber wie das Bild nach der Restaurierung aussehen würde, hätte ich damals kaum zu träumen gewagt.“


Zehn Monate dauerten die restauratorischen und konservatorischen Maßnahmen. Georg Pracher, der in den letzten Jahren schon den drei Tiepolo-Gemälden des Universitätsmuseums ihre ursprüngliche Leuchtkraft zurückgegeben hatte, musste äußerst behutsam und stellenweise auch rekonstruierend vorgehen, da in diesem Fall Malfläche und Bildträger beschädigt waren.


Über das Ergebnis kann man leicht ins Schwärmen geraten. „Die überlegene Lichtregie, die subtile Abstimmung der Farben innerhalb eines eng begrenzten Spektrums (es ist ja ein Nachtstück), die feine Nuancierung der Gesichtszüge – all das hebt das Werk aus den Durchschnittsproduktionen der Zeit weit heraus“, erläutert Dombrowski.


Im Niederländersaal des MvWM übt Bronchorsts „Verleugnung Petri“ eine bannende Anziehungskraft aus.


An seinem neuen Standort entfaltet es eine Wirkung, die den Saal schlagartig dominiert. „Wir haben unseren Neuzugang an einem breiten Fensterpfeiler platziert“, erläutert Dr. Markus Maier, der Kurator des Museums: „So kann es einzeln betrachtet werden und gleichzeitig eine Scharnierfunktion übernehmen, am Übergang von den Stillleben zu den figürlichen Kompositionen der Holländer und Flamen.“


Es lohnt sich also, dem Utrechter Neuankömmling einen Besuch abzustatten. Seiner magischen Ausstrahlung wird sich kaum jemand entziehen können. Es empfiehlt sich besonders, auf die Hände des Petrus und der Magd zu achten. Wie Lüge und Entlarvung über das Gestische gegeneinander agieren, ist schwer zu überbieten.



Martin von Wagner Museum der Universität Würzburg, Gemäldegalerie.

Öffnungszeiten: dienstags bis samstags 13.30 bis 17 Uhr, sonntags im Wechsel mit der Antikensammlung 10–13.30 Uhr.



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