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To do-Liste eines griechischen Helden:

Herakles‘ Abenteuer-Reise als Game*


Wer kennt sie nicht, die 12 Taten des Herakles? Um sich den Titel des größten Helden aller Zeiten oder zumindest der Griechen zu verdienen, musste sich der Halbgott einer ungewöhnlichen Anzahl an Abenteuern stellen. Jedes gute Märchen verlangt seiner Protagonistin / seinem Protagonisten genau eine große Herausforderung ab, aber Herakles hatte gleich ein Dutzend Prüfungen zu bestehen. Das ist krass und extrem heldenhaft!

 

Herakles

Indessen war Herakles mitnichten ein Workoholic! Vielmehr zeichnet die Mythologie das Bild eines Lebemanns von ihm, dem Wein sehr zu getan, aber auch allen möglichen anderen Lastern und Untugenden, bei Lichte betrachtet: ein rüpelhafter Haudrauf. Allerdings gab es für seinen komplexen Arbeitsauftrag einen guten Grund: Herakles hatte, buchstäblich außer sich vor Zorn, seine eigenen Kinder getötet. Diese Untat musste gebührend gesühnt werden. Und so wurde Herakles, selbst ein Sohn aus höchsten Adelskreisen, in die Knechtschaft seines Oheims Eurystheus, des Königs von Mykene, geschickt. So wollte es Hera, die dem Helden wegen seiner außerehelichen Zeugung durch Zeus unversöhnlich nur das Allerschlimmste an den Hals wünschte.

 

Eurystheus trägt nun wirklich alle Eigenschaften einer bösen Märchengestalt in sich: Es reichte ihm nicht, Herakles die Buße möglichst schwer und aufwendig zu gestalten. Er legte es im Grunde immer wieder neu auf den Tod des Helden an. Selbst faul und außerordentlich feige schickte er Herakles in verschiedene, bisweilen entlegene Gegenden der antiken Welt, ja sogar in das Reich des Hades; meist um sich zu bereichern, aber stets in der Hoffnung, der Sohn der Danae möge im Grunde nicht wiederkehren.

 

Metopen: Die Rinderställe des Augias, die Rosse des Diomedes und die Äpfel der Hesperiden
Metopen: Die Rinderställe des Augias, die Rosse des Diomedes und die Äpfel der Hesperiden

Als Herakles im 6. Jh. v. Chr. in der Bilderwelt der attischen Vasen zum Superhelden avancierte, da existierte der Kanon der 12 Taten noch gar nicht, zumindest nicht in der heutigen Reihenfolge, die erst der griechische Historiker Diodor 30 v. Chr. festlegen sollte. Aber die großen Bildzyklen, allen voran die Metopen des Zeus-Tempels von Olympia, sorgten dafür, dass sich bald eine feste Auswahl von Motiven etablierte. Immer wieder wurden die 12 Taten in der späteren Bildkunst des Hellenismus und der römischen Kaiserzeit auf den unterschiedlichsten Bildträgern (Gefäßen, Mosaiken, Sarkophagen u.s.w.) wiederholt. Ihre Kenntnis galt gewiss schon in der Antike als ein mythologisches 1 x 1, das jedes Kind beherrschen lernte, ähnlich wie die Verse des Homer.

 

Aber seien wir ehrlich! Können wir immer noch sagen, dass wir mit den Taten des Herakles wirklich vertraut sind? Die vielen Tiere und Monster, gegen die er kämpfte, sind mit wohlklingenden, aber oft selbst monströsen, schwer auszusprechenden Ortsnamen verknüpft. Der nemäische Löwe, die kerynitische Hirschkuh und der erymanthische Eber, wo lebten die alle und warum heißen sie bloß so? Was machte die stymphalischen Vögel noch mal so furchterregend und wie war das mit dem kretischen Stier, hauste der nicht in einem Labyrinth?



Um gefährlichem Halbwissen und vorzeitigem Versagen bei jeder Quiz-Show vorzubeugen, bietet die Antikensammlung jetzt eine einfache Lösung für alle, die es wissen wollen: Seit diesem Monat steht unser ‚Herakles-Game‘ auf einem Touchtable im vorderen Kuppelsaal bereit, selbstverständlich dort, wo auch die Vasenbilder des Helden zu finden sind. Im Multiple Choice-Verfahren kann sich dort jede Besucherin und jeder Besucher des Museums auf die Spuren des Helden begeben und seine Expeditionen durch die Mittelmeerwelt nachvollziehen. Wie besiegte Herakles die lernäische Hydra? Ein Tipp: ausgewählte Bildmotive im rechten oberen Eck vermitteln wertvolle Anhaltspunkte für die richtige Lösung. Aber wehe, die Antwort ist falsch! Dann geht es wie bei Sisyphos zurück an den Start. Wer jedoch alle Antworten gemeistert hat, dem winkt gleich dem Helden ewiger Ruhm und damit selbstverständlich auch das ewige Leben ;)…

 

 

* Unser Dank gilt allen ‚heldenhaften‘ Wegbereitern dieses Spiels: Johannes Troll (Game Engineering), Christina Kiefer (Layout und Illustration), Jochen Griesbach (Texte und Bildauswahl) André Mischke & Raffael Bücken (IT), Sonja Killat (Museumsmanagerin) sowie der Bürgerstiftung Würzburg.




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