- Martin von Wagner Museum

- 24. Okt.
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Die Residenz war auch sein Werk: Der Barockarchitekt Johann Lukas von Hildebrandt in einer neuen Publikation
Dass sich das Martin von Wagner Museum in der Würzburger Residenz befindet, dürfte niemandem entgehen, der sie besucht. Sehr viel weniger dürfte bekannt sein, dass sich die Gemäldegalerie in der sogenannten Zweite Bischofswohnung befindet – hier wohnte, aß und schlief der Fürstbischof!
Auch Friedrich Karl Graf von Schönborn, der späteren Würzburger Fürstbischof, bewohnte einst diese Räume. Sein Hausarchitekt war Johann Lukas von Hildebrandt (1668–1745), der in verschiedene fränkische Bauprojekte der Familie Schönborn involviert war – darunter die Würzburger Residenz. So darf es wohl als eine glückliche Fügung gelten, dass kürzlich ein Buch über Hildebrandt in der ehemaligen Zweiten Bischofswohnung vorgestellt wurde.
Der im Michael Imhof Verlag erschienene, von Peter Heinrich Jahn und Anna Mader-Kratky herausgegebene Band „Johann Lukas von Hildebrandt: Barockarchitekt in Mitteleuropa“ ist die erste große Publikation zu diesem Baumeister seit über 65 Jahren. Zurückgehend auf eine internationale Tagung in Wien 2018, ergänzt sie die Kenntnis seines Werks um viele neue Facetten und bietet Klärungen zu langanhaltenden Forschungsproblemen an.
In einem eigenen Franken-Kapitel wird Hildebrandts Einflussnahme auf die von Balthasar Neumann geleiteten Schönborn-Bauten dargestellt. Meinrad von Engelberg (TU Darmstadt) fragt nach Wettbewerb und Synergie, Stefan Kummer (JMU) konkretisiert den Beitrag Hildebrandts zur Würzburger Residenz, Verena Friedrich (JMU) geht der Konkurrenz zwischen ihm und dem Würzburger Hofschlosser Johann Georg Oegg nach. Peter Heinrich Jahn (TU Dresden) liefert neue Argumente zu Hildebrandts Anteil an Neumanns Schönbornkapelle am Würzburger Dom. Erich Schneider (JMU) zeichnet die Karriere eines Ingenieurleutnants im Spannungsfeld zwischen den beiden Architekten nach.
Das fast 500 Seiten schwere Buch mit rund 380 Abbildungen ist von den „Freunden der Würzburger Residenz“, den „Freunden mainfränkischer Kunst und Geschichte“ und dem „Verschönerungsverein Würzburg“ finanziell unterstützt worden. Die Buchpräsentation begann mit einem Grußwort des Direktors der Neueren Abteilung des Martin von Wagner Museums, gefolgt von einem Rückblick, den der Verleger auf die Produktion des Bandes warf.
Das Herzstück der Veranstaltung war die Zusammenfassung sämtlicher Beiträge durch die Herausgeber – sie machte neugierig auf eine der großen Schöpferpersönlichkeiten der neuzeitlichen Architektur Europas. Denn der zunächst in seiner Geburtsstadt Genua, dann von Wien aus in Österreich, Böhmen und Franken tätige Hildebrandt verkörperte die Baukunst seiner Zeit wie wenige andere. Mit seiner von Rom und Turin geprägten Formensprache nahm er nicht nur auf das Bauwesen des 18. Jahrhunderts Einfluss, sondern auch auf den Neobarock des Historismus.
Bildlegenden
[Bild 1:] Das Cover des neuerschienenen Buches – dem ersten über Hildebrandt seit 1959!
[Bild 2:] Einige Autoren des Bandes, von links nach rechts: Prof. Dr. Stefan Kummer, Dr. Anna Mader-Kratky, Dr. Verena Friedrich, Peter Heinrich Jahn, Prof. Dr. Meinrad von Engelberg sowie der Herausgeber Dr. Michael Imhof in der Gemäldegalerie des Martin von Wagner Museums.









